Donnerstag, 17.10.2013 - 20:20 Uhr

Neue Spielzeuge

Neue Spielzeuge sind für Kameraleute ja immer was tolles. Egal ob ein einfacher Adapterarm oder ein neues Weitwinkelobjektiv - man kann einen Techniker bereits mit kleinen Mitteln seeehr glücklich machen. Solche Spielzeuge machen das Kameraleben wieder interessant, wenn man mit neuem Equipment auf Dreh fährt. Bei mir gab's jetzt ein neues Weitwinkelobjektiv, und die Dinger sind ja nun mal im professionellen Kamerabereich nicht gerade billig. Noch dazu muß das Teil ja zur Kamera passen. Aber es funktioniert - und macht wieder richtig Laune damit zu drehen. Wo man früher nicht genug auf's Bild gebracht hat, geht's jetzt problemlos und man kann noch näher ran ans Geschehen *grins*.

Einer der ersten Einsätze damit: ein Sportdreh bei einem großen Spring-Reitturnier. Abstriche muß man bei einem Weitwinkel-Objektiv da natürlich im Telebereich machen. Da sind die Dinger natürlich weniger gut zu gebrauchen. Will sagen: von der Tribüne gibt's eine schöne Totale der ganzen Reithalle, aber beim Verfolgen der einzelnen Reiter kommt man nicht mehr so nah ran mit der Brennweite. Wenn man allerding mit der Kamera nah rangeht, machen es die so realisierbaren Einstellungen wieder wett. Vorteile hat man auch mit der Größe des ganzen Apparats auf der Schulter, weil so ein großes Weitwinkel doch ordentlich Eindruck macht. Damit kommt man auch dorthin, wo andere nicht hindürfen: nämlich zusammen mit den Ordnungskräften mitten zwischen die Turnier-Hindernisse. Man muss nur auf die Rösser aufpassen, die bremsen nicht wirklich für Kameraleute. Gibt aber höllisch gute Bilder, wenn die Viecher über die Hindernisse hüpfen und man mit der Kamera direkt am Hindernis steht. Da braucht's ein gutes Weitwinkel. Man sehen was als nächstes an Drehterminen so kommt.


Dienstag, 24.09.2013 - 15:26 Uhr

Nach der Wahl ist vor der Wahl

So - geschafft, Leute. Die Wahl ist durch, was auch uns Fernsehleuten wieder zu einem ruhigeren Puls verhilft. Nach der Anspannung der letzten Wochen lief ja alls auf diesen einen Abend voller Chaos raus. Da gilt's möglichst schnell alle Infos ranzuschaffen, die ersten Stimmen aus der Region einzufangen und in die Wahlsendung reinzubringen - dazu noch aktuelle Zahlen ins Laufband und auf die Webseite zu tragen. Ausserdem haben wir extra ein Wahlstudio als Kulisse zusammengebaut.

Allerdings wie bei uns Fernsehmachern üblich: Was nicht im Bild ist, interessiert nicht - daher sieht alles drumherum eher nach Baustelle aus. Aber hey - Hauptsache "On Air" sieht das ganze gut aus:

Wahlstudio

Ihr würdet euch wundern - wie oft sich sowas bei den ganzen Sendern beim Blick von hinten als grob zusammengeschustert herrausstellt. Da wird getrickst und nur in Kamerarichtung schön gebastelt. Wie's dahinter aussieht interessiert keine Sau.

Das nächste Mal gibt's noch ein paar Bilder mehr vom Wahlabend, also bleibt dran...


Montag, 16.09.2013 - 00:50 Uhr

Schnief...

Pünktlich wie das Regenwetter kommt auch wieder die Erkältung, die das Leben nicht grad einfacher macht. Krank machen oder sich zur Arbeit schleppen und die Kollegen anstecken ? Natürlich zur Arbeit schleppen - die lieben Kollegen sollen ja auch was davon haben. Abgesehen davon hat mal jemand gesagt: Krank ist man nur, wenn man aus allen Körperöffnungen blutet...

Kommen wir zur Praxis: Und die sieht mit Erkältung - sagen wir mal - eher unpraktisch aus. So ein Interview von der Schulter zu drehen, wenn einen alle paar Sekunden ein Hustenreflex durchzuckt ist nicht grad sonderlich dolle. Aber Hey: da lernt man Selbstdisziplin und Luft anhalten.

Heute hatten wir dazu auch noch zwei Sportdrehs - so ein überregionaler Stadtlauf, wo's gepisst hat ohne Ende (schnief, hust...), und: Beachvolleyball. Das war'n Spass. Normalerweise bin ich ja zum Fotografieren dort, aber heute als Kamerateam, was dem einen oder anderen Fotokollegen (gell Harald...) doch ein: "johhh, des sieht bissl schwerer aus als sonst" entlockt.

Aber Fernsehen spielt auch nach anderen Regeln als Fotojournalismus - vor allem im Sport. Beim Fotografieren kommt es auf das entscheidende Bild an, meist als eingefrorene Bewegung im richtigen Moment. Beispielsweise bei der Ballberührung, einem Block oder Aufschlag. Dazu hat man ein Lichtstarkes Teleobjektiv, damit man auch von weiters weg knipsen kann. Beim Fernsehen sehen die Bedürfnisse allerdings etwas anders aus: Da gibt's die besten Bilder wenn man NAH rangeht - und ich meine NAH. Das Kameraobjektiv den Leute am Besten in die Fr**se packen, denn mit Tele is hier nicht viel zu holen: Da wackelts nur rum, weil man im Gegensatz zur Knipserzunft ja Bewegtbild braucht und keine Bewegung mit 1/1000 Sekunde einfrieren kann.Gut - das nah rangehen, zieht dann manchmal den Zorn der Fotokollegen nach sich, und manchmal geht es auch schlicht nicht. Ausserdem müssen die Bilder zueinander passen, damit der Redakteur oder Cutter das später schneiden und montieren kann. Zehn gleiche oder ähnliche Bilder kann ein Fotograf sicher brauchen, wenn sie gut sind - ein Fernsehredakteur beim Schnitt allerdings nicht. Da muß in Bildausschnit und Perspektive variiert werden, länger dauerende Aktionen müssen zeitlich durch den Schnitt gerafft werden, daß der Zuschauer nachher denkt: "Ja ich habe in den 30-40 Sekunden das ganze Spiel gesehen". Wenn man das geschafft hat, ist man auf dem richtigen Weg...

Nächste Woche gibt's dann Erfahrungswerte aus einem Abend voller Durcheinander - denn anders ist eine Wahl beim Fernsehen nicht zu beschreiben: als (un)kontrolliertes Chaos...


Montag, 09.09.2013 - 00:07 Uhr

Vom zu spät kommen und Brauereibesichtigungen

Fast hätte ich meinen wöchentlichen Eintrag vergessen, denn zur Zeit ist alles zeitlich bissl Eng. Man merkt eben, daß es zur Bundestagswahl in den Endspurt geht. Da gibt's viele Termine zu drehen, bei noch mehr Politikern. Daß es denen auch nicht besser geht merkt man an deren Verspätung. So war gestern EU-Kommissar Oettinger (ja der Ex-Ministerpräsi) mal eben eine Stunde (!!!) später erst auf dem Termin erschienen - so eng liegen deren Termine. Gibt uns Kameraleuten aber auch die Gelegenheit, mit den Leuten vor Ort ins Gespräch zu kommen, denn da erfährt man so allerhand - aus erster Hand. Dinge die vor allem hintern den Kulissen laufen, oder nette Anekdötchen - daß es z.B. Leute gibt, die zu jeder Wahlkampfveranstaltung der jeweiligen Partei kommen, aber eigentlich ungern gesehen sind. Oder daß Brauereien sehr gerne von den männlichen Bundestagskandidaten im Wahlkampf besucht und besichtigt werden (spekuliert man da auf eine Gratis-Verkostung?). Hin und wieder springt da sogar was für uns Presseleute raus. Bei einer Brauereibesichtigung neulich hat uns der Besitzer doch dankbarerweise ein paar Sixpacks mit dem edlen Gebräu mit auf den Rückweg gegeben. Seither werden Brauereibesichtigungen mit Kandidaten gezielt als Drehtermin wahrgenommen...


Freitag, 30.08.2013 - 22:27 Uhr

Minister auf der Alb

Daß Bundesminister auf die Alb kommen gibt's ja jetzt nicht so oft. Für Wolfgang Gupp, den Geschäftsführer von Trigema macht Bundesarbeitsministerin von der Leyen schon mal eine Ausnahme. Schließlich hat der Mann ja viel zu sagen, was man desöfteren in diversen Talkshows sieht. Auch unsere Redaktion hatte mich und mein Team vorbei geschickt - gut ist ja eigentlich auch ein Wahlkampftermin, aber wenigstens nicht nur mit Lokalprominenz.

Um Punkt 9:30 Uhr stehen also alle vor dem Trigema-Werk und warten auf Frau Ministerin - aber nicht sehr lange. Die Dame ist fast pünktlich, was angesicht der abgelegenen Örtlichkeit (eben auf der Alb) fast ein Wunder ist. Normalerweise kommen hohe Politiktiere immer zu spät. Bei der Ankunft schön die Kamera draufhalten, weil sich so ein Bild immer gut eignet, um in den Bericht zu kommen, ungefähr so: "Bundesarbeitsministerin von der Leyen war heute zu Besuch bei...". Anschließend gings auf einen Rundgang durch das Unternehmen - angeführt von Chef Grupp persönlich.

Wolfgang Grupp und Ursula von der Leyen

Und sowas ist für uns Kameraleute ja immer Fluch und Segen zugleich. Segen - weil das bessere Bilder als die tröge "Gesprächsrunde" gibt. Fluch - weil dabei meist nicht auf Foto- und Motivwünsche der mitlaufenden Presse eingegangen wird. Und da Frau Ministerin nur eine Stunde Zeit hatte, war die Führung quasi im Stechschritt. Da ist man als Kameramann natürlich unter Hochdruck, für einen 2:30 Min.-Bericht genug passende Bilder zu bekommen. Und die müssen natürlich schneidbar sein, also bei den Motiven von neutral auf neutral, sonst hopsen die  ja durchs Bild. Hier bot sich aber vieles an: Webmaschinen, Stoffrollen, eine Totale der Näherei, und und und...

Am Schluss noch schnell einen O-Ton von der Dame abgreifen (Redakteur spricht sie optimalerweise bereits während des Rundgangs darauf an) und dann muß sie auch schon weiter. Danach hat mal alle Zeit der Welt, noch andere Leute zu interviewen. Alte Regel: Die wichtigsten Leute immer zuerst. Ganze Berichte gingen schon in die Hose, weil Kamerateams zuerst mit der Lokalprominenz O-Töne gemacht haben und die wichtigen Personen danach schon weg waren.


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