Mittwoch, 03.07.2013 - 23:25 Uhr

Ein weiter Weg aus Brüssel

Wenn sich Besuch aus Brüssel ankündigt, kommen sie alle. So auch heute, als sich EU-Kommissar Günther Oettinger ankündigte. Was macht der erfahrene Kameramann ? Erst mal beim Veranstalter anfragen, ob denn auch eine Möglichkeit besteht, den Ton irgendwo abzugreifen. Spart viel Arbeit (Kabel legen, abkleben) und noch mehr Zeit, wenn man nicht bis zum ultimativen Ende der Veranstaltung bleiben will. Schließlich kommt's ja eh nur auf ein paar wichtige Themen und Ausschnitte der Rede an. Danach verkrümmelt man sich schon mal gerne.

Leider gab's diesmal aber keine Möglichkeit sich einzustöpseln, daher war eigene Mikrofonierung angesagt. Dazu erst mal das Saalmikro etwas zur Seite gepackt und unseres dazu - Fernsehen ist ja wichtig. Auch wichtig: Das Mikro nicht zu weit oben zu positionieren. Es gibt immer mal wieder Politiker, die dazu neigen, währen der Rede mit den Mikros zu spielen. Da wird angefasst, dran rum geschubbert, die Position verstellt... Sagen wir mal: Man lernt daraus, lieber etwas seitlicher zu mikrofonieren, dann sind die Tonabnehmer auch nicht so präsent im Bild. Anschließend noch Kabel zur Kamera nach hinten legen und mit dem gerade so ausreichenden Gaffa abkleben. (Gaffa = schwarzes Klebeband,da braucht man Massen davon)

Da langsam die Besucher und Gäste eintreffen, schnell ein paar Schnittbilder drehen, dann hat der Redakteur was, womit er später in den Beitrag reinkommt. Man fängt den Bericht ja nicht gleich mit der Rede an.

Dann ist warten angesagt - auf den Mann aus Brüssel. Gut es ist ein weiter Weg aus Belgien, damit sind wohl die 45 Minuten Verspätung zu erklären. Politiker eben, da gehen die Uhren bissl anders.

Den Vogel abgeschossen hat aber eine Fotografen-Kollegin der Lokalzeitung, die allen Ernstes zu einem herkommt und kurz fragt, ob man denn wisse, was das für eine Veranstaltung sei ? Auf meine Antwort: "...sieht nach Sektempfang aus" meint sie verwundert: "Ahhh... und ist da auch ein Programm vorgesehen ?" - Kurzer Blick zu einem anderen Foto-Kollegen, mit dem man sich kurz zuvor unterhalten hatte, und alles war gesagt. Unvorbereitet zu einer Veranstaltung mit hoher Prominenz - solche "Kollegen" sollte sich was schämen... Das wirklich schlimme daran: Die Kollegin (man kennt sich schon) macht den Job schon lange, fällt aber immer wieder durch so Dinge auf. Vielleicht in einem späteren Posting mehr zu der Dame.

Der Rest war Standard: Rede mitschneiden, hin und wieder Schnittbilder drehen. Danach Abbau und Feierabend.


Montag, 01.07.2013 - 22:16 Uhr

Wandern mit dem Fernsehen

Heute morgen auf dem Drehplan: "Felssturz/Erdrutsch bei einer Straße an der Schwäbischen Alb". Nun gut - passiert in letzter Zeit öfter, vor allen vor ein paar Wochen bei den recht heftigen Unwettern und dem Hochwasser. Also auf Richtung Albstadt im Zollernalbkreis.

Nach einer Ewigkeit unterwegs kommt man am Drehort, oder besser gesagt der gesperrten Straße an. Infos aus der Redaktion: "Da sollen irgendwo auch die zuständige Behörde und ein Geologe rumkraxeln, die das kontrollieren". Gut - die Straße ist gesperrt, also erst mal die üblichen Standardbilder drehen: Absperrung, Rote Ampel an der Strecke (gibt's extra ander Strecke weils wohl öfter Steinschlag gibt) und Sperrschild.

Leider waren die Jungs von der Straßenmeisterei gründlich und haben die Straße auf der gesamte Breite verbarikadiert. Also nix mit an den eigentlichen Handlungsort fahren. Fußmarsch ist angesagt - leider ! Leider stand auch nirgends, daß die gesprerrte Strecke etwas länger ist als gedacht: nämlich rund 6 Kilometer ! Naturlich bergauf, wir sind ja schließlich an der Schwäbischen Alb...

Nach ca. einem Kilometer kommt von oben eine Person entgegen - wird wohl einer der zuständigen Menschen sein, denkt man. Pustekuchen: Ein Kollege der örtlichen Zeitung, der auch den Steinschlag sucht um Fotos zu machen. Auf seine Frage, wo denn der Steinschlag zu finden sei gibt's von uns nur Achselzucken. Wir dachten ER wisse das - schließlich kommt er uns ja von oben entgegen. - "Nö, da sei nix zu sehen..." - Grrrrrr !!! Durchatmen, schließlich schleppt man ja nur eine 8 Kilo-Kamera und ein 5 Kilo-Stativ mit sich rum...

Zum Glück hat der Zeitungskollege die Nummer der zuständigen Herren im Landratsamt und hakt kurz telefonisch nach. Ergebnis: Der Felssturz sei irgendwo oben im Wald - da dort wohl automatische Sensoren die kleinsten Felsabgänge registrieren, wurde da gleich mal groß gesperrt. Bei sowas kommt Freude auf - wieder mal eine Ente, keine guten Felssturzbilder, aber dafür ein Wanderung über die Alb gemacht - Willkommen beim Fernsehen.


Mittwoch, 26.06.2013 - 23:09 Uhr

Von warmen Scheinwerfern und Schnittbildern...

Heute war mal wieder ein Dreh im Landtag angesagt. Gut, man ist als Kamerateam ohnehin öfter dort und gehört sozusagen schon zum Inventar. Merkt man immer schön an der Pforte: Während Otto-Normal-Besucher erst mal gecheckt wird bevor man rein darf, winkt man uns Kameraleute immer schön durch.

Diesmal waren wir mit mehr als nur einer Kamera angerückt, um mit dem Landtagspräsidenten ein längeres Interview aufzuzeichnen. Heißt natürlich erst einmal 3 Kameras in Stellung zu bringen, Licht aufbauen und die Leute vor der Kamera mit dem Ton verkabeln bzw. die Ansteckmikros mit den Funksendern zu verteilen.

Altes Problem im Landtag: Die Protagonisten sitzen meist vor einem Fenster - der Landtag besteht nach Aussen nur aus Fenstern - was natürlich immer zu heftigem Gegenlicht führt. Leider gibt's dann nur 2 Möglichkeiten, da abzuhelfen: Entweder die Fenster mit ND-Folie abkleben, was aber ein scheiss Aufwand wäre, oder was man eigentlich immer macht: mit ordentlich Watt aus den Scheinwerfern dagegen leuchten. Blöd natürlich wenn dann der Tonmann darauf besteht, daß die Klimaanlage wegen dem Ton ausgeschaltet werden muß - da wird's dann halt bissl warm (zum Glück war das Wetter und die Temperaturen heute nicht extrem).

Nach einer Stunde war's durch, dann noch Schnittbilder drehen - der obligatorische Gang an der Kamera vorbei. Vor vorn, von hinten, in den Plenarsaal hinein (wo dann noch eine verdutzte Besuchergruppe war, die gleich vom Kamerateam mit überfallen wurde) und natürlich das von den Redakteuren gern genommene "Arbeiten am Schreibtisch". Der Präsi schien's mit Humor zu nehmen - kannte er wahrscheinlich schon von zig Drehs mit den Kollegen vom SWR...

Danach Abbau und wieder raus. Jetzt freut sich der Cutter auf das Material.


Dienstag, 25.06.2013 - 23:55 Uhr

Kanalroulette

Es scheint alle paar Jahre vorzukommen, daß die Kabelanbieter wieder die Kanäle durcheinanderwürfeln - natürlich "zum Wohle" des Zuschauers. Aktuell ist es mal wieder soweit: Die KabelBW schichtet um.

Was heißt das für einen Sender ? Richtig - 1000 aufgeregte Anrufe, wo man denn ab sofort zu empfangen sei. Stolperstein dabei: teilweise haben nicht mal die Kabelanbieter den Durchblick, was man den Zuschauern erzählen soll. Klingt toll, oder ?

Dazu kommt noch, daß nicht alle Zuschauer versiert im Receiver-umprogrammieren sind, dann wird man unfreiwillig auch noch zur Technik-Support-Hotline.

Wenn dann auch noch gleichzeitig was im Programm verlost wird, ist es besonders lustig. Wäre doch mal was, wenn man dann am Telefon aneinander vorebeiredet und den verzweifelten Techniklaien stattdessen einen Gewinn anbietet.

Mal sehen wie dieses Kanalroulette endet...


Montag, 24.06.2013 - 01:31 Uhr

Angel, Keule und Franzose...

...völlig klar oder ? Wer jetzt nur Bahnhof versteht, dem werde geholfen.

Auch Kameraleute haben eine "Geheimsprache", die für aussenstehende bestimmt irgendwie chinesisch klingt. Macht auf jeden Fall immer irre Spass, Neuzugänge in der Belegschaft richtig schön damit in die Wüste zu schicken. Der Siemens-Lufthaken lässt grüßen.

Ausserdem reden wir ja nicht grundlos so. Denn fast jede Brache hat so ihre Fachbegriffe, aber Fernsehleute wollen eigentlich gar nicht verstanden werden. Vor allem dann nicht, wenn so Schlauberger wie aus dem letzten Posting aufkreuzen:

Mensch: "Auf was zeichnen Sie denn auf ?"
Kameramann: "Das ist halbzölliges Digibeta mit 50Mbit..."

Klingt doch schöner als

"..auf Magnetband"

oder ? Fernsehen muß auch ein bissl von diesem Hauch des Geheimnisvollen haben. Schließlich sind wir doch deshalb alle zum Fernsehen gegangen - um auch ein wenig mysteriös zu sein. Man will ja schließlich nicht als normal gelten.

Zurück zur Überschrift: Angel, Keule und Franzose gibt's tatsächlich. Angel und Keule sind z.B. Arten der Mikrofonierung. An der Angel hält der Tonassi sein Mikro und eine Keule wäre ein Handmikrofon (Keule wegen dem Richtcharakter). beim Franzosen wird's schon schwieriger. Kamerlaute kennen ihn, wenngleich auch kaum einer sagen kann wo dieser dämliche Begriff herkommt. Der "Franzose" ist dieses lustige Dacherl, mit dem man oberhalb des Objektivs die Sonne oder Gegenlicht wegblendet.


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