Mittwoch, 24.07.2013 - 19:28 Uhr

Tagesgeschäft

Der Kern einer jeden Nachrichtensendung ist ja das aktuelle Geschehen auf der Straße - diesmal im wahrsten Sinne des Wortes. Nachmittags gegen 15 Uhr der Auftrag aus der Redaktion: Die Rettungsleitstelle informierte uns grad über einen Verkehrsunfall, also hin und drehen. Infos dazu, ausser dem genauen Ort: Frontalcrash PKW - LKW. Gut es gibt einige Kollegen, die bei so einer Ansage erst mal schlucken, man weiß ja selten, was einen da tatsächlich erwartet. Das kann in der Regel von leichtverletzten bis zu toten Personen gehen. Also starke Nerven und ein guter Magen sind da sicher vorteilhaft. Seit ich vor einigen Jahren mal den Fall eines "zerteilten" Motorradfahrers hatte, schockt einen danach relativ wenig. Ist vielleicht wie bei Ärzten, die sowas auch öfter zu Gesicht bekommen - man härtet echt ab, was das angeht.

Vor Ort an der Straße erst mal die Polizeiabsperrung vorsichtig umfahren - was sehr hektisch wedelnde Polizisten auf den Plan ruft. Zumindest, bis sie erkennen, daß man von der Presse ist. Wenn man schön nett ist, lassen die einen meistens durch. Einer der Polizisten winkt mich dann auch durch und meint, daß er erst dachte, da würde wieder so ein spinnerter Autofahrer aus der Reihe tanzen... Aber man arrangiert sich ja mit den Ordnungshütern.

Der Puls steigt - was erwartet einen hinter der nächsten Kurve ? Schon von weitem zu erkennen: Keine Feuerwehr oder Rettungsdienste mehr da, aber mehrere Polizeiwagen mit Blaulicht. Sowas gibt's immer dann, wenn die Leitstelle die Presse relativ spät informiert, dann sind die Verletzten meistens schon abtransportiert. Das ganze war dann auch halb so wild. Ein PKW-Fahrer war wohl im Sekundenschlaf nach links geraten und schon fast auf dem linken Seitenstreifen mit einem LKW zusammengeknallt. PKW-Fahrer war aber ansprechbar und dem LKW-Fahrer hatte es gar nix gemacht. Im Gegenteil - der turnte verknügt um seinen demolierten LKW rum und machte Fotos vom (vermutlichen Total)schaden.

Also Kamera gezückt und schön Bilder gemacht. Man hat da ja seine ganzen Standards im Kopf: Totale von der Unfallstelle, Großaufnahmen der demolierten Fahrzeuge, dann Straße, Polizisten, Blaulicht. Mit der Zeit weiß man, was Redaktionen an Bildmaterial erwarten. Anschließend noch einen Polizisten vor Ort nach ein paar Infos wie Unfallhergang oder Schadenshöhe gefragt. Ist nie falsch, dem Redakteur ein paar Infos mitzubringen, weil die Pressestelle der Polizei auch nicht immer die schnellste ist. Mittwerweile kurz vor 16 Uhr - Zeit, das gedrehte Material zurm Sender zurückzubringen, schließlich soll es noch in die 18 Uhr-Nachrichten. Bis die Bilder gesichtet und geschnitten sind, der Text steht und vertont ist, dauert es ja auch noch mal. Nachfrage vom Polizisten und auch dem LKW-Fahrer: "Wann kommt des... ?" Man will es ja schließlich wissen, wenn man schon mal ins Fernsehen kommt...


Montag, 22.07.2013 - 14:22 Uhr

Abschluss bei den Mediengestaltern 2013

Mittlerweile sind auch die praktischen Abschlussprüfungen für die Mediengestalter vorbei. Dabei hat sich wieder gezeigt, daß Freud und Leid nah beieinander liegen. Da war zum einen ein Prüfling, der im Schnitt eine hervorragende Leistung zeigte (sogar fast besser als die Musterlösung) und die Avid wirklich im Griff hatte. Dann gab es aber auch Enttäuschung auf der anderen Seite, bei den Kandidaten die durch die Prüfung gefallen sind. Eine Dame saß am Schluss heulend vor uns Prüfern - das ist dann auch nicht schön. Andere waren angesichts der vergebenen Note ein wenig angesäuert und vergaßen dann auch die guten Manieren.

Nun hat der Markt da draußen wieder über 80 neue Mediengestalter Bild und Ton. Einige werden von Ihnen Betrieben übernommen, andere nicht, wieder andere machen jetzt was völlig anderes oder studieren. Diejenigen, die in der Medienbranche bleiben, wird man in der Regel irgendwann wiedersehen.

Ist bei uns Profis (und Prüfern) ja auch so. Keine 2 Tage nach den Prüfungen sieht man einen Kamerakollegen aus dem Prüfungsausschuss auf einem Drehtermin wieder - die Welt ist eben doch klein. War aber gut so, da kann man einiges noch mal nachbesprechen und sich über die verschiedenen Prüflinge nochmals austauschen.


Mittwoch, 17.07.2013 - 02:22 Uhr

Von Kollegen und Böllerschüssen

Was gibt's neues aus TV-Land ? Zunächst mal: Mission Abschlussfilme gucken ist abgeschlossen. Zum Glück waren doch noch ein paar Highlights dabei. Sowohl fein gemischter Ton in 5.1 als auch ein nahezu perfektes Animationsfilmchen. Es gibt also doch noch Lichtblicke da draussen unter den Azubis. Diese Woche folgen dann die praktischen Abschlussprüfungen.

Dann war Kameraeinsatz am Wochenende: "Schwörtag" in Reutlingen. Der ganze Spass startete erst gegen 11, damit war das Wochenende nicht ganz im Eimer. Unser Team also rechtzeitig vorher da, weil ja wieder Ton mitzunehmen war. Während die Kollegen vom SWR den Ton mit der Angel einfingen, macht der erfahrene Kameramann was ? Richtig - Funkmikro auf'm Ständer zum Mikro auf der Bühne dazustellen. Gibt einen deutlich besseren Ton, wenn die Oberbürgermeisterin ihr Sprüchlein aufsagt. Alternativ kann man da auch immer die Tonleute der Veranstalter vor Ort nett fragen, die sind in der Regel auch sehr kooperativ. Vor allem, wenn es alte Bekannte wie diesmal waren, die man schon gut kennt. Die hatten diesmal ihr Bühnenmikro leider nur auf einem anderen Frequanzband, sonst hätte bei uns sogar der Empfänger an der Kamera gereicht...

Also die OB sagte ihr Sprüchlein auf, danach noch Schnittbilder drehen - wie die Kollegen vom SWR. Immer wieder lustig, daß doch alle Teams so grob die gleichen Bilder machen, wenn man mal drauf kuckt.

Zum Schluss sollte es noch Böllerschüsse geben, also mit der Kamera hin zu den Schützen. Blöderweise wollten die einen erst mal gar nicht hin lassen, brabbelten was von "Hörschutz" und "laut". Nachdem ein Fotografenkollege sogar Ohrstöpsel dabei hatte und auch bereitwillig verteilte, war auch das geklärt. Dass solche Leute immer erst so einen Aufstand machen müssen. Als Kameramann haste doch eh schon alles gedreht: Lautes, leises, staubiges, wackliges (auf hohen Gebäuden oder unter unter Autobahnbrücken hängend), gefährliches (beim Krokodile füttern für ne Tiersendung), EXTREM lautes (im Glockenstuhl eines Kirchturm beim 5-Minuten Dauerläuten zum Gedenken - DOONNNNG) oder schnelles (wäre mal fast rückwärts vom Fenster aus einem Begleitfahrzeug bei einem Redrennen in einer Kurve gepurzelt, bei ca. 80 Sachen...). Also da schockt einen doch so bissl Geböllere nicht. Das einzige was schade war: Der Redakteur hat das Böller-Bild später nicht mal im Beitrag gehabt. Aber so isses nun mal bei uns TV-Fritzen...


Mittwoch, 10.07.2013 - 23:50 Uhr

Filme im Akkord

15 Filme an einem Tag, schön im 30-45 Minuten-Takt - und die nächsten 2 Tage geht's grad so weiter mit der Sichtung der Abschlussarbeiten der Mediengestalter Bild und Ton. Aber so wollte man es ja. Gut, könnte bei den Temperaturen schlimmeres geben, als in einem abgedunkelten und voll klimatisierten Raum mit hervorragender technischer Ausstattung Filme zu gucken:

SWR Stuttgart - Technische Abnahme (TA)

Leider sind aber unter den ganzen Filmen nur einige wenige Perlen, während die große Masse eher Durchschnitt ist. Schade eigentlich, denn die letzten Jahre war das Level der Abschlussarbeiten gefühlt besser. Gut von ca 45 Filmen die pro Gruppe zu gucken sind, haben wir erst ein Drittel. Vielleicht wirds ja noch besser und die "seichten Werke" waren geballt heute dabei.

Trauriger Trend, der sich immer wieder durch die Wertung zieht: Schlampige "Formalien". Das geht vom Fehlen einzelner Begleitdokumente (MAZ-Karte, Kalkulation) über das schlampige Beschriften der Bänder/Disks bis zum nichtbeachten der Anforderungen. Auf diese Weise hat schon mancher gute Film am Schluss nur eine Durchschnittsnote erreicht, weils halt massiv Punktabzug für Schlamperei gibt. Wenn die Leute halt nur lesen würden, was gefordert wird... ist ja eigentlich nicht so schwer.


Dienstag, 09.07.2013 - 00:32 Uhr

Prüfungszeit !

Die nächsten paar Tage finden wieder die Abschlussprüfungen für die Mediengestalter Bild und Ton statt - was immer höchst unterschiedliche Werke hervorbringt. Im Rahmen der Abschlussprüfung müssen die Azubis dazu ein kurzes Bild- oder Tonwerk anfertigen (also kurzer Film, Audio-Hörspiel oder sowas in der Art). Dabei sollen sie zeigen was sie in 3 Jahren gelernt haben.

Von Mittwoch bis Freitag werden wir im Prüfungsauschuss dann erst mal die ganzen Abschlussfilme sichten. Heisst bei 90 Prüflingen: 3 Tage in 2 Gruppen Filme im Halbstundentakt gucken und bewerten. Was ist gut gemacht ? Wo wurde geschlampt ? Gibt's Abzüge in der "B-Note"? Manche Werke sind genial - andere wiederum gewöhnungsbedürftig. Letztes Jahr war der erste Film früh morgens eine Kurzdoku über einen Pferdeschlachthof. Lecker, so direkt nach dem Frühstück... Mal sehen was dieses Jahr so dabei ist.

Aber auch abseits der Prüfungstage suchen manche den Weg in die Medienbranche. Ich hatte die Tage einen Kandidaten für eine Kamera-Stelle da, der aus einem, sagen wir mal "südöstlichen Mittelmeerstaat" kam. Dort nix mehr Arbeit, also auf nach Germanien. Leider ist dort die Qualität der Kameraausbildung nicht gerade so dolle, genau wie die Sprachkenntnisse des Bewerbers. Wenn man halt nicht mal halbwegs mit dem Mann kommunizieren kann (und es sogar auf Englisch sowie mit Händen und Füssen versucht hat), sind die Aussichten eher düster.

Mehr dazu in Kürze, wenn die ersten Filme gesichtet sind...


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