Freitag, 23.08.2013 - 23:38 Uhr

Praxiskurs

Wie versprochen gibt's jetzt den ersten Teil von "Fernsehen in der Praxis". Los geht's mit dem drehen von Interviews und O-Tönen. Da überschätzen sich die meisten Anfänger, weil man denkt, daß es doch nicht so schwer sein kann: Kamera draufhalten, Mikro vor die Nase halten und fragen. Aber ein gutes Interview will vorbereitet und durchdacht sein.

Den Anfang macht das "Interview drehen" aus Kameramann-Sicht. Da gibt's ne Menge zu beachten. In den nächsten Kapiteln will ich mich dann unter andem dem Ton und den redaktionellen Grundlagen widmen. Also immer wieder reinschauen.

Hier geht's zur ersten Folge: Interviews in rechte Licht gerückt


Montag, 19.08.2013 - 22:19 Uhr

Wahlk(r)ampf

Kaum fängt der Wahlk(r)ampf an, kommen die Bundestagskandidaten aus ihren Löchern gekrochen, könnte man sagen. Sein einer Woche geben sich die verschiedenen Politiker bei uns im Sender die Klinke in die Hand. Gut - man lädt sie ja auch ein zum "Kandidatencheck". König Zuschauer soll sich doch ein Bild machen können der verschiedenen Programme und Meinungen. Damit das jaaaa auch neutral zugeht, darf natürlich jede Partei vorbeigucken, die einen Direktkandidaten in den Wahlkreisen aufstellt.

Dabei zeigt sich auch wieder wie unterschiedlich die Erwartungshaltung und das Verständnis der Politiker von der Medienbranche ist. Manche können mit Fernsehen gar nix anfangen und haben keinen Schimmer, wie wir TV-Leute arbeiten - andere kennen den Tanz mit den Journalisten und kommen mit dem Medium gut zurecht. Sieht man immer wenn man mit den Leuten O-Töne macht: Die erfahrenen Politiker wissen wie sie sich präsentieren müssen, was für uns Kameraleute gutes Licht ist, oder daß wir danach in der Regel einen "Antexter" brauchen (dieses "doof an der Kamera vorbeilaufen", damit der Redakteur den Menschen in den Bericht einführen kann). Neulinge, die erstmals kandidieren oder von kleinen Parteien sind, haben da schon mehr Probleme. Die meisten sind nervös, weil sie das noch nie gemacht haben. Viele verplappern sich vor Aufregung und man muß die Frage zigmal wiederholen. Wieder andere "zappeln" die ganze Zeit durchs Bild, weil sie nicht auf einem Platz stehen können. Wir hatten schon mal einen, der dachte das Mikrofon selbst in die Hand nehmen zu müssen, als er antworten sollte - aus Unerfahrenheit...

Wie sehr die Herrschaften auf einmal uns Medienvertretern huldigen, hat sich gezeigt, als uns letzte Woche Bundesentwicklungsminister Niebel im Sender besuchte. Dem engen Zeitplan war es zu verdanken, daß vor unserem Haus schon das nächste Kamerateam wartete - von der ARD für die Tagesthemen. Da zeigt sich wieder daß die Welt klein ist - der Kameramann war ein ehemaliger Praktikant aus unserem Sender - ein Wiedersehen damit mit alten Kollegen garantiert...


Montag, 12.08.2013 - 01:29 Uhr

Themenmix

So, die Woche ist zuende - was gab's diesmal ? Zunächst gibt's immer noch die Unwetternachwirkungen zu drehen. Von den Feuerwehr-Leitstellen bis zu einem Dreh mit einem geschädigten Landwirt, dem es fast die ganze Ernte vernichtet hat. Interessant zu sehen, daß bei dem Weizen fast 60% der Körner so auf dem Ackerboden liegen und futsch sind...

Dann standen Dreharbeiten für einen Werbefilm eines Herstellers von Spezialtastaturen (so Gummi, zum leichten reinigen) an. Der Kunde wünschte Aufnahmen mit einer entsprechend alten, "versifften" Tastatur als Kontrast zu seinem Produkt. Also musste erst mal eine alte PC-Tastatur so richtig eingedreckt werden. Mit altem Kaffee drüberleeren geht das richtig gut, sieht aber hinterher absolut ekelhaft aus - genau so wie man's will. Die arme Dame die das Ding für die Aufnahme "betippen" durfte, fand's glaub ich nicht sonderlich lustig, da mit ihren Fingern drauf rum zu drücken. Was bei so Produktaufnahmen immer toll aussieht: Wenn die Schärfe im Bild möglichst eng begrenzt ist. Will heißen: optimalerweise nur 2-3 Tasten scharf, der Rest versinkt in der Unschärfe. Allerdings ist das gar nicht so einfach, weil man ja nah mit der Kamera ran muß. Wenn dann aber noch diverse Scheinwerfer die Szenerie beleuchten, gibt's fast immer Schatten, weil ja die Kamera extrem nah drauf hängt. Da muß dann manchmal umgeleuchtet oder improvisiert werden. Imemrhin sieht der Rohschnitt des fertigen Spots ganz lustig aus, der Kunde war sogar richtig begeistert, abgesehen von einigen kleinen Änderungen - aber die gibt's fast immer.

Was war noch diese Woche ? Ach ja - eine Ausstellung. Zumindest war es als Ausstellung in der Pressemitteilung angekündigt. Was erst vor Ort klar wurde: Alle Exponate sind ein EINER Vitrine (also seeehr bescheidene Motive) und das ganze auch noch in einem Aussenkasten des entsprechenden Museums. Toll - Spiegelungen inklusive. Die Kollegen der fotografierenden Zunft hatten damit genau so große Probleme daraus was zu machen. Denn die brauchen ja oft Übersicht in Form einer "Totalen" der Szene. Da haben wir's vom Fernsehen einfacher. Da nimmt man um so mehr Großaufnahmen der Exponate auf und man kann mit der Kamera ganz ran an das Vitrinenglas. Den Rest macht die Sonnenblende - die verdeckt auch Spiegelungen ganz prima. War erstaunlich, was dann im fertigen Bericht drin war - da hatte ich beim Dreh mit schlimmeren Bildern kalkuliert.

Jetzt gibt's erst mal ein paar Tage im Schnitt (Nachrichtenbeiträge und Magazine), da kann das Wetter machen was es will. Ausserdem arbeite ich an einem kleines Seminar "Fernsehen in der Praxis", das es bald auf dieser Seite gibt. Aber das dauert noch bissl, weil da viel Arbeit drinsteckt...


Sonntag, 04.08.2013 - 00:37 Uhr

Wald und Wiese

Bähhh, das Wetter ist auch bis auf weiteres eine Sauna. Jede Arbeit wird derzeit fast unerträglich, weil einem die Brühe nur so runterläuft. Da wird auch der angekündigte Drehtermin mit den Leuten von Forst-BW zum Zustand der heimischen Wälder nicht besser. Aber immerhin es geht in den Wald, und das verspricht zumindest Schatten. Also hingefahren und zusammen mit den Forstleuten tief irgendwo ins Niemandsland über Feld- und Waldwege. Zu unserer Überraschung geht es zunächst zu einer abgelegenen Wanderhütte wo neben Wasser, Kaffee und Kuchen erst mal in der Presserunde die aktuellen Zahlen zum Waldbestand erläutert werden. Leider sind nicht alle im Team Kaffeetrinker und Kuchenesser (ein Eis wäre bei dem Wetter wohl besser gewesen), aber trotzdem gute Gastgeber, diese Förster.

Anschließend geht es tatsächlich ins Unterholz, um ein Stück naturbelassenen Wald zu besichtigen. Also sowas, wo keine Bäume geschlagen werden und der Wald sich selbst überlassen wird. Dementsprechend nach Urwald sieht das ganze aus. Unser Redakteur muß wohl die Presseinladung nicht richtig gelesen haben, in der von festem Schuhwerk die Rede war. Blöd (für ihn), daß er nun in Flipflops durchs Dickicht marschiert.

Das schleppen des Equipments sorgt trotz des Schattens durch den Wald für Schweißausbrüche, weil die schwere Kamera ja nahezu die ganze Zeit auf der Schulter ist. Stativ ist zum Glück nicht nötig - wie auch, wenns durchs Unterholz geht. Schnell noch O-Töne gedreht und schon gehts auch wieder zurück. Am Abend steht noch ein Leichtathletik-Meeting auf dem Drehplan (allein der Gedanke ist schon wieder Schweißtreibend), aber dazu mehr beim nächsten Mal...


Montag, 29.07.2013 - 17:44 Uhr

Das liebe Wetter...

Man hat es schon nicht leicht als Kameramann. Im Winter isses zu kalt, der Sommer (in den letzten tagen) DEFINITIV zu heiss, dazwischen nur Regen. Zugegeben, das klingt jetzt bissl wie jammern auf hohem Niveau, aber wenn man sich an der Kamera schon fast die Finger verbrennt, wird's nicht mehr ganz so lustig. So geschehen am Wochenende. Gestern und heute wieder das genaue Gegenteil: Regen und gestern dann sogar ein Hagelsturm, wie ihn Reutlingen noch nie gesehen hat. Schäden in Millionenhöhe! Zahlreiche Kamerateams daher heute im Regen unterwegs, um die Schäden zu dokumentieren - Wieder mal Sensationsjournalismus pur. Aber das gehört eben auch dazu, bzw. ist das was die Zuschauer sehen wollen. Etliche beschweren sich schon eine Stunde nach dem Unwetter, wieso denn in den Nachrichten noch keine Sturmbilder kommen, ts, ts.... Wunder können wir vom Fernsehen auch nicht vollbringen. Abgesehen davon, daß auch wir bei einer unpassierbaren Straße oder umgestürzten Bäumen nicht vorwärts kommen und der Weg zum Sender versperrt ist. Freund Zuschauer interessiert das aber herzlich wenig...


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