Donnerstag, 04.06.2015 - 20:50 Uhr

Ein Jahr aus Sicht des Fernsehschaffenden

Der letzte Eintrag ist nun schon eine ganze Weile her, um ehrlich zu sein fast genau ein Jahr. Höchste Zeit mal wieder was von mir hören zu lassen.

Ein Jahr - das ist aus Sicht des Nachrichten-Fernsehschaffenden zunächst mal viel altes und neues. Altes, weil manche Veranstaltungen jedes Jahr regelmäßig wiederkehren (zur Freude bzw. Leid des einzelnen). Feste über die man berichtet, die jedesmal (jedes Jahr) gleich ablaufen und man sich als Kameramann irgendwann fragt, wie man dem Thema eine neue Perspektive oder Sichtweise abgewinnt. Oder die regelmäßigen Bilanzpressekonferenzen großer Unternhemen. Oft die gleichen Bilder wie vom Vorjahr. Manche Redakteure munkeln, man könnte auch die alten Bilder vom Vorjahr nehmen (oft sogar mit dem gleichen Sprechertext, weil sich manche Bilanzen nie zu ändern scheinen), das würde sowieso kein Mensch merken.

Ein Jahr - das ist in Bildern und Themen grob zusammengefasst: Neujahrsempfänge, Fasnet, Ostern, Sommerloch, Saisonauftag der verschiedenen Ligen im Sport, Adventsprogramm, Weihnachten und Themenloch zum Jahreswechsel. Dazu noch die aktuellen Dauerbrenner "Bahnstreik", "Kita-Streik" und ab und zu mal "S21". 10 Minuten Nachrichten pro Tag, 300 Minuten pro Monat, 3650 Minuten pro Jahr - da kommt ganz schön was zusammen.


Samstag, 31.05.2014 - 00:30 Uhr

Digitale Dividende

Letztens hatte ich wieder eine kleine Diskussion mit einem Kollegen, der für Dreharbeiten ein Funkmikroset bei mir augeliehen hat, obwohl er selber eines besitzt. Die Unwissenheit über die aktuell erlaubten Frequenzen hatten ihn zu der Annahme gebracht, sein 2 Jahre altes Set wäre nicht mehr zu gebrauchen.

ich denke daß es daher an der Zeit ist, mal ein war Worte über die "Digitale Dividende" zu verlieren. Wer sich jetzt fragt: Was ist das und wofür brauche ich es, dem sei hier erklärt: Es halndelt sich um die Neuordnung der Funkfrequenzen nachdem durch die abschaltung der analogen TV-Sender diverse Frequenzbereiche frei geworden sind. Diese und weitere Frequenzen sind dann teilweise dem Mobilfunk und LTE zugeordnet worden. Leider betrifft das auch den Funkton, der je nach Frequenzband nur noch eingeschränkt nutzbar ist. Es würde jetzt den Rahmen sprengen alle Frequenzen aufzuzählen, dafür gibt's im Internet genug Quellen wie beispielsweise bei Sennheiser:

Sennheiser Pocked Guide zur Digitalen Dividende

Zusammenfassen kann man das wesentliche so: Große Teile des D-Bandes (vor allem für prof. Veranstaltungstechnik) fallen weg, sowie Teile des E-Bandes zwischen 838 und 862 MHz. Dafür bleiben ein paar Frequenzen am Randberbeich überig, die nach wie vor genutzt werden können. Den regulären EB-Ton im C-Band (734-776 MHz) betrifft es gar nicht, aber hier spielt zulassungestechnisch eh nur professioneller Rundfunk mit. Neu hinzugekommen ist für den Tonbereich das 1,8 GHz-Band, aber da höre ich von diversen Tonkollegen nichts allzu gutes. Problematisch ist wohl die kurze Wellenlänge und die damit eingeschränkte Ausbreitung der Funkwellen, die wohl recht oft zu Tonstörungen führt. Daher der Ratschlag: nicht vorschnell die Funksets im D-Band in die Tonne kloppen. Erst Frequenzen nachgucken und schön weiternutzen solange es geht.


Dienstag, 20.05.2014 - 18:09 Uhr

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Hallo Leute, jetzt steht wieder der gleiche Stress bevor, wie letzten Herbst. Das heißt: eigentlich mehr. Weil dieses ganze Kommunalwahldingens noch viel komplizierter und viel mehr ist als bei einer Bundestagswahl. Gut, der Grundaufwand ist derselbe, aber dafür (gefühlt) Millionen von Ergebnissen, die auf uns einprasseln. Damit der Zuschauer das ganze auch halbwegs kapiert, muß das ganze wieder in ansprechende Grafiken gepresst werden.

Und das ganze für die TV-Einblendungen und - weil man ja auch die Internetgemeinde ansprechen will - auch auf der Webseite. Da gilt's ne gute Automatisierung hinzubekommen, sonst macht man die Arbeit doppelt und dreifach.

Diese Woche gilt es daher auch wieder das "Wahlstudio" aufzubauen. Zum Vergleich die Kulisse von der letzten Bundestagswahl. Man sehen was wir dieses Mal basteln. Meist entsteht sowas erst wieder kurz vor knapp - und mit Resten, die man so grad da hat...

Wahlstudio


Sonntag, 09.03.2014 - 03:19 Uhr

Unverhoffte Bilder...

Es gibt Dreh's vor denen hat man einfach einen gewissen Respekt. Sei es z.B. wegen dem Aufwand der Produktion oder dem Thema - wie bei mir letztens der Fall. Wenn man schon "Winnenden" im Drehauftrag liest, schlucken auch manche gestandenen Profis erst einmal, weil das Thema Amoklauf ja leider jeden März wieder auf die Tagesordnung der Medien kommt. In der Vergangenheit wurde da einfach zuviel verbrannte Erde hinterlassen, so daß man sich sowas immer sehr sensibel nähern muß.

Bei dem aktuellen Dreh ging es um die Einweihung, bzw. der Vorstellung des neuen Mahnmals im Stadtgarten, unweit der Schule. Dementsprechend groß war auch das Aufgebot an Medien und Rundfunk. SWR, ZDF, Regionalsender, dazu Radioreporter und zahlreiche Zeitungsleute und Fotografen. Da kommt in einem oft so dieses Gefühl hoch, als wäre man nur ein Geier...

Aber zurück zum Drehauftrag: Geplant war die Vorstellung des Mahnmals sowie Interviews/O-Töne mit den Verantwortlichen wie Bürgermeister, Künstler und Schulleiter der Albertville-Realschule. Bei solchen Dreh's darf man auch gar nicht zuviel denken, sonst geht sowas schief. Man rattert sein Programm runter wie viele andere Aufträge auch und macht gute Miene zum Spiel.

Als wir schon fertig sind und die anderen Kamerateams wieder abziehen, fagen wir beim Schulleiter höflich, ob man denn noch einen Aussenschuss der Schule machen dürfe (bei so sensiblen Themen IMMER erst fragen, auch wenn's rechtlich fast nie ein Problem gibt. Aber man macht den Personen vor Ort bewusst, daß man sich den Thema vorsichtig nähert und nicht einfach ungefragt überall drauf hält. Auf diese Weise sind schon wertvolle Kontakte entstanden...).

Unser großes Glück: Auch ein Zeitungskollege hatte den Schulleiter schon angesprochen, und der erklärt sich bereit uns sogar mit IN die Schule zu nehmen und in die damaligen Taträume zu lassen. Auch das Filmen wird (mit einigen kleinen Auflagen) erlaubt, und so gibt es seltene Einblicke in das Geschehen von 2009. Zugegeben - ein wenig mulmig wird einem schon in der Magengegend, wenn man dann in den damaligen Klassenzimmern steht, und realisiert, daß man da auf einmal selbst vor Ort ist, in Räumen die man bisher nur auf Tatortfotos gesehen hat. Noch dazu wenn man jetzt mit einer Kamera da rein läuft.

War sicherlich einer der nachdenklicheren Termine der letzten Zeit. Natürlich sind solche unverhofften Bilder Gold wert, weil da nicht jeder reinkommt. Sowas klappt aber nur, wenn man ensprechend sensibel auf die Leute vor Ort eingeht. Man hätte auch anders auftreten können, wie früher oft die Teams von RTL (hat sich zwischenzeitlich gebessert), die gerne regelmäßig "Witwenschütteln" praktiziert haben. Aber was das ist, erzähle ich nächstesmal...


Dienstag, 21.01.2014 - 01:07 Uhr

Wie man 6 Sekunden O-Ton für N24 macht...

Nach ein paar Monaten wird's echt mal wieder Zeit, daß ich ein wenig von der täglichen Arbeit berichte.

Da die Kollegen von N24 in den letzten Wochen fleissig Kamerateams bei uns buchen, kommt man wenigstens mal wieder nach draussen, auch wenn man bei dem Sauwetter oft nicht so scharf drauf ist.

Heute auf dem Programm: Der ADAC-Skandal um die "geschönte" Wahl zum Auto des Jahres. Klar daß der ADAC da recht wortkarg ist. Nicht jedoch die Gegenseite... Um 11 Uhr ruft der nette Redakteur aus Berlin an - Am Telefon wird gleich auf "du" geschaltet, was das ganze viele angenehmer macht: Termin für einen O-Ton (also ein Interview) um 13.30 Uhr mit einem Professor für Automobilwirtschaft. Fragen ? Klar - gibt's auch einige. Der Prof. soll ruhig mal vom Leder lassen und bissl drüber herziehen (macht sich immer gut als extremer Gegenpol). Noch schnell die Nummer des Menschen durchgegeben wegen des Treffpunkts in Stuttgart.

Wir also rechtzeitig in Stuttgart am Treffpunkt - der Prof etwas später. Wie sich rausstellte kam er wohl direkt vom SWR - auch die waren am Thema dran (Bei manchen Themen kann man lustige Spiele vorm Fernseher spielen: z.B. kucken "Wie oft kommt der gleiche Experte auf unterschiedlichen Sendern zu Wort ?" oder "Wer sagt inhaltlich das gleiche - inklusive gleichen Fremdworten?"...).

Also Kamera neben der Straße (passt ja zum Auto-Thema) aufgebaut, Mikro mit N24-Puschel rausgeholt und losgelegt. Mitten im O-Ton meint plötzlich ein Müll-Laster direkt hinter der Kamera vorbei in den Park fahren zu müssen - Hallo ??? Müll-Laster? In den Park? Typen gibt's... Natürlich auch schön langsam - man will ja sehen was diese Typen da mit der Kamera treiben *seufz*. Aber ich will mich ja nicht beschweren, denn in der Regel geht das Fenster runter und der Spruch "komm ich jetzt ins Fernsehen" schallt einem entgegen.

Danach noch schnell 2 Antextbilder gedreht und ab zurück in den Sender. Der Cutter wartete schon um das Material einzulesen und nach einem Grobschnitt zu N24 hochzuladen. Prima - Job erledigt.

Lustig ist es dann immer zu sehen, was draus geworden ist. Diesmal waren's am Abend im fertigen Beitrag von 2:30 Länge ganze 6 Sekunden des Interviews... So macht man Fernsehen.


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